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Operationsverfahren im Vergleich

Fundoplikatio und modifizierte BICORN-Operation im Vergleich

Aspekt Fundoplikatio (Manschettenverfahren) Modifizierte BICORN-Operation
Grundprinzip Der oberste Anteil des Magens wird als Manschette teilweise oder vollständig um die untere Speiseröhre angelegt. Der natürliche Übergang zwischen Speiseröhre und Magen wird anatomisch rekonstruiert – ohne Manschette.
Mechanismus gegen Reflux Es entsteht eine künstlich verstärkte Druckzone am Übergang. Der natürliche funktionelle Ventilmechanismus (His-Winkel) wird rekonstruiert und stabilisiert.
Beweglichkeit des Übergangs Die Manschette ist zirkulär fixiert und kann nicht ausweichen, sondern nur gedehnt werden. Der Übergang bleibt beweglich und funktionell flexibel.
Luftaufstossen (Rülpsen) Die verstärkte Druckzone kann sich bei Druckanstieg nicht ausreichend öffnen. Luftaufstossen ist häufig erschwert oder nicht möglich. Der Übergang kann sich physiologisch und situationsabhängig entspannen. Luft kann in der Regel normal entweichen.
Erbrechen Der notwendige Entspannungsmechanismus ist stark eingeschränkt. Erbrechen ist häufig erschwert oder nicht möglich. Der natürliche Relaxationsmechanismus bleibt erhalten, sodass Erbrechen in aller Regel weiterhin möglich ist.
Gefühl nach dem Essen Häufig Völlegefühl oder Druck im Oberbauch, insbesondere bei vermehrter Gasbildung. Meist normales Sättigungsgefühl ohne relevantes Druck- oder Völlegefühl.
Anatomie Veränderung der natürlichen Anatomie durch Umschlingung der unteren Speiseröhre. Spannungsfreie Rekonstruktion der natürlichen anatomischen Verhältnisse.
Zielsetzung Mechanische Kontrolle des Rückflusses durch eine Manschette. Stabile Rekonstruktion des natürlichen Verschlussmechanismus zur Verhinderung von Reflux bei Erhalt der physiologischen Funktion.

Normales Aufstossen und Erbrechen

Diese Vorgänge sind keine krankhaften Prozesse, sondern wichtige physiologische Schutz- und Entlastungsmechanismen des Körpers.

Aufstossen

Beim Essen, Trinken oder Sprechen wird unweigerlich Luft mitgeschluckt. Diese sammelt sich bevorzugt im oberen Anteil des Magens, dem sogenannten Fundus. Ohne die Möglichkeit des Aufstossens würde sich der Druck im Magen kontinuierlich erhöhen.

Das Aufstossen dient daher dem natürlichen Druckausgleich und der Entlastung des Magens. Damit Luft aus dem Magen entweichen kann, muss sich der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen, die sogenannte Kardia, kurzfristig entspannen beziehungsweise öffnen. Diese reflektorische Relaxation ermöglicht es der Luft, kontrolliert über die Speiseröhre nach oben zu entweichen.

Im Gegensatz zum Erbrechen kommt es dabei normalerweise nicht zu einer kräftigen Kontraktion von Magen, Zwerchfell oder Bauchmuskulatur. Entscheidend ist primär die vorübergehende Öffnung der Kardia.

Die Fähigkeit zum Aufstossen trägt wesentlich dazu bei, Druckgefühl, Völlegefühl und übermässige Luftansammlungen im Magen zu vermeiden. Fehlt diese Möglichkeit, kann dies zu erheblichen Beschwerden mit Blähungen, Druckgefühl, schmerzhaftem Völlegefühl und vermehrter Luftansammlung im Darm führen (dem sogenannten Gas-Bloat-Syndrom).

Erbrechen

Auch das Erbrechen ist ein wichtiger physiologischer Schutzmechanismus des Körpers. Sein Ziel ist es, schädlichen oder unverträglichen Mageninhalt möglichst rasch wieder aus dem Körper zu entfernen.

Beim Erbrechen ziehen sich Magen, Zwerchfell und Bauchmuskulatur kräftig zusammen. Gleichzeitig entspannt sich der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen, die sogenannte Kardia. Nur dadurch kann der Mageninhalt entgegen der normalen Transportrichtung über die Speiseröhre nach oben ausgestossen werden.

Die Fähigkeit zu erbrechen ist von grosser Bedeutung. Kann der Magen schädlichen oder unverträglichen Inhalt nicht nach oben entleeren, gelangt dieser in den Darm und kann dort Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Übelkeit und Durchfall verursachen.

Vergleich der anatomischen und funktionellen Verhältnisse

Die folgenden Abbildungen vergleichen den gastroösophagealen Übergang im Normalzustand, nach einer Fundoplikatio und nach einer modifizierten BICORN-Operation. Dargestellt werden jeweils der anatomische Zustand in Ruhe sowie die funktionellen Veränderungen beim Aufstossen und beim Erbrechen.

Normalzustand:

Im Normalzustand besteht ein funktionell dichter gastroösophagealer Übergang. Dieser beruht auf einem komplexen Zusammenspiel der ineinander übergehenden Muskelstrukturen von Speiseröhre und Magen, dem physiologisch spitzen His-Winkel, bindegewebigen Verbindungen zwischen Speiseröhre und Zwerchfell sowie einem normal weiten Zwerchfelldurchtritt (Hiatus oesophageus).

Aufstossen:

Beim Aufstossen relaxiert die Kardia kurzfristig. Dadurch kann Luft aus dem oberen Magenanteil entweichen, ohne relevante Kontraktionen des Magens. Anschliessend kehrt der gastroösophageale Übergang wieder in seinen normalen funktionellen Zustand zurück.

Erbrechen:

Beim Erbrechen zieht sich der Magen reflexartig zusammen, wodurch der Druck im Magen deutlich ansteigt. Gleichzeitig entspannt sich die Kardia physiologisch, sodass Mageninhalt über den gastroösophagealen Übergang nach oben entweichen kann. Der Fundus weicht dabei seitlich aus, wodurch das Erbrechen problemlos möglich ist.

Fundoplikatio – Normalzustand:

Bei der Fundoplikatio wird eine Manschette aus dem oberen Anteil des Magens um den untersten Abschnitt der Speiseröhre direkt oberhalb der Kardia angelegt. Sammelt sich Luft im oberen Anteil des Magens, füllt sich auch die Manschette mit Luft und verstärkt dadurch den mechanischen Verschlussmechanismus am gastroösophagealen Übergang.

Aufstossen nach Fundoplikatio:

Beim Aufstossen entspannt sich die Kardia physiologisch. Die direkt oberhalb der Kardia liegende Fundoplikationsmanschette kann jedoch nicht entsprechend nachgeben oder sich öffnen. Dadurch wird die normale Luftentweichung häufig deutlich erschwert oder sogar verunmöglicht.

Erbrechen nach Fundoplikatio:

Auch nach Fundoplikatio entspannt sich die Kardia beim Erbrechen physiologisch. Durch die ausgeprägte Druckerhöhung im Magen bläht sich jedoch die Fundoplikationsmanschette zusätzlich auf und verstärkt den mechanischen Ventilmechanismus. Dadurch wird das Erbrechen häufig stark erschwert oder verunmöglicht.

Modifizierte BICORN-Operation – Normalzustand:

Bei der modifizierten BICORN-Operation wird der His-Winkel ohne Bildung einer Manschette akzentuiert angelegt. Dadurch entsteht im Normalzustand eine zusätzliche funktionelle Unterstützung des natürlichen Verschlussmechanismus. Luft im oberen Anteil des Magens verlagert den Fundus gegen den gastroösophagealen Übergang und unterstützt so den natürlichen Verschlussmechanismus gegen Reflux.

Aufstossen nach modifizierter BICORN-Operation:

Beim Aufstossen entspannt sich die Kardia physiologisch. Da keine Manschette besteht, weicht der Fundus seitlich aus, wodurch Luft in aller Regel problemlos durch den gastroösophagealen Übergang entweichen kann.

Erbrechen nach modifizierter BICORN-Operation:

Bei der modifizierten BICORN-Operation zieht sich der Magen beim Erbrechen ebenfalls physiologisch zusammen und die Kardia entspannt sich. Da keine Manschette besteht, weicht der Fundus beim Erbrechen seitlich aus. Dadurch kann sich der gastroösophageale Übergang physiologisch öffnen, sodass die natürliche Fähigkeit zu erbrechen erhalten bleibt.

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Dr. med. Mischa Feigel
Facharzt FMH für Chirurgie
spez. Viszeralchirurgie

Florastrasse 50
CH-8008 Zürich
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