Übersicht
Wie entsteht die Refluxkrankheit?
Die Refluxkrankheit beruht meistens auf einer mechanischen Schwäche am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen. Ein wesentlicher zugrunde liegender Faktor ist eine angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Bindegewebsschwäche.
In der Folge verliert der natürliche Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen an Festigkeit. Häufig liegt zusätzlich ein Zwerchfellbruch vor. Dabei gleitet ein Teil des Magens durch eine erweiterte Öffnung im Zwerchfell in den Brustraum. Dies führt zu veränderten Druckverhältnissen. Dadurch wird der Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre begünstigt.
Ein Zwerchfellbruch ist jedoch keine zwingende Voraussetzung für eine Refluxkrankheit. Manche Menschen haben selbst grössere Brüche und nur geringe Beschwerden, während andere unter ausgeprägten Symptomen leiden, ohne dass ein Zwerchfellbruch nachweisbar ist.
Eine solche Gewebeschwäche zeigt sich nicht selten auch in anderen Bereichen des Körpers, etwa in Form von Krampfadern, Hämorrhoiden oder Leistenbrüche. Diese Befunde können familiär gehäuft auftreten.
Subjektive Beschwerden und objektive Befunde stimmen nicht immer überein. Ausgeprägte Entzündungen der Speiseröhre können mit nur geringen Beschwerden einhergehen – und umgekehrt können starke Beschwerden bestehen, ohne dass endoskopisch entzündliche Veränderungen nachweisbar sind. Fehlende oder milde Symptome schliessen eine klinisch relevante Refluxproblematik daher nicht aus.
Saures Aufstossen und ein Brennen hinter dem Brustbein sind meist Folge eines ungenügenden Verschlusses zwischen Speiseröhre und Magen. Dadurch gelangt vermehrt Magensäure zurück in die Speiseröhre.
Dr. med. Mischa Feigel
Symptome der Refluxkrankheit
Sodbrennen
Typische Symptome sind saures Aufstossen (Sodbrennen) sowie ein brennendes oder drückendes Gefühl hinter dem Brustbein. Die Beschwerden verstärken sich häufig im Liegen oder nach üppigen Mahlzeiten.
Regurgitation und Volumenreflux
Bei manchen Betroffenen gelangt Mageninhalt – bestehend aus Flüssigkeit, Nahrungsbestandteilen und Säure – bis in den Hals- oder Mundbereich zurück.
Man unterscheidet zwischen Regurgitation und Volumenreflux.
Regurgitation bezeichnet das Zurückfliessen von meist saurem Mageninhalt in Mund oder Rachen.
Von Volumenreflux spricht man, wenn grössere Mengen von Flüssigkeit oder Nahrungsbestandteilen zurückgelangen. Hier steht weniger die Säure als vielmehr der tatsächliche Rückfluss von Mageninhalt im Vordergrund.
Diese Problematik tritt insbesondere im Liegen oder nachts im Schlaf auf. Auch beim Bücken – etwa beim Schuhebinden, vor allem nach dem Essen – kann es zu einem Druckgefühl hinter dem Brustbein und zu Rückfluss kommen.
In ausgeprägten Fällen kann Mageninhalt in die Atemwege gelangen. Dies wird als Aspiration bezeichnet und kann Hustenanfälle oder wiederkehrende Reizungen der Atemwege, insbesondere Lungenentzündungen, verursachen.
Wichtig ist: Medikamente reduzieren die Säureproduktion. Sie verhindern jedoch das mechanische Zurückfliessen von Mageninhalt nicht.
Spezialfall Stiller Reflux
Vom klassischen Sodbrennen abzugrenzen ist der sogenannte stille Reflux, auch laryngopharyngealer Reflux genannt. Hier stehen Beschwerden im Halsbereich im Vordergrund, etwa Räusperzwang, Heiserkeit, ein Klossgefühl im Hals, vermehrter Schluckreiz oder ein anhaltendes Säuregefühl im Mund- und Rachenraum.
Manche Patienten leiden ausschliesslich unter diesen Symptomen, ohne jemals typisches Sodbrennen zu haben.
Einfluss von Ernährung und Lebensstil
Bestimmte Speisen und Getränke, insbesondere fettreiche Mahlzeiten, Süssigkeiten, Fruchtsäfte oder alkoholische Getränke, können die Säureproduktion im Magen erhöhen und die Beschwerden vorübergehend verstärken. Bei bestehender Refluxproblematik kann dies zu vermehrtem Rückfluss führen. Eine medikamentöse Behandlung mit Protonenpumpenhemmern senkt zwar die basale Säureproduktion im Magen zuverlässig, sie kann jedoch weder die mechanische Ursache noch kurzfristige Säurespitzen vollständig verhindern.
Hier eine kleine Auswahl problematischer Speisen und Getränke:
- Pommes Frites, Chips, Nüssli, Schokolade
- Fettes Fleisch (Wurstwaren, Burger, Speck)
- Hochprozentiger Alkohol, Weisswein, Champagner, Prosecco, Tomatensaft, Orangensaft, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke
- Stark gewürzte, sehr süsse oder scharfe Speisen
Häufigkeit der Refluxkrankheit
Es handelt sich um die häufigste gutartige Erkrankung des oberen Magen-Darm-Traktes in der westlichen Welt. Bis zu 25% der Bevölkerung haben mehr oder weniger häufig typische Refluxsymptome. Etwa ein Drittel der Betroffenen sucht wegen dieser Beschwerden einen Arzt auf.
Mögliche langfristige Folgen der Refluxkrankheit
Bleibt eine chronische Refluxerkrankung über längere Zeit bestehen, kann sich die Schleimhaut der Speiseröhre verändern. Es kann sich eine sogenannte Barrett-Schleimhaut entwickeln.
Diese stellt für sich genommen noch keine bösartige Erkrankung dar, kann jedoch in seltenen Fällen nach Jahren zu Speiseröhrenkrebs führen. Ob und in welchen Abständen endoskopische Kontrollen notwendig sind, hängt von der Ausdehnung der Barrett-Schleimhaut ab und wird individuell festgelegt – unabhängig davon, ob aktuell Beschwerden bestehen oder bereits eine Therapie erfolgt ist.
